The David Gribble Archive : Talks
Lernen freie Kinder genug?
Freiburg, 2006
Seite 1
Ich habe vielen Schulen in vielen verschiedenen Ländern besucht, wo die Kinder selbst entscheiden, was sie studieren wollen. Es gibt die Demokratische Schule von Hadera in Israel für Kinder von drei bis achtzehn Jahre alt, in der es einen sehr reichen Stundenplan von Angebote gibt, aber jeder Schüler entscheidet für sich selbst, welche Angebote er annehmen will – oder auch nicht. In den 70er Jahren hatte jeder von 1400 Schüler in Countesthorpe College, eine öffentliche Schule in England für 14 bis 18 jährige, einen individuellen Stundenplan, wovon ungefähr die Hälfte für eigene Projekte reserviert war. In Sudbury Valley School in Massachusetts gibt es keinen Stundenplan. Wenn man etwas lernen will, muss man entweder allein studieren, oder irgendeinen anderen auftreiben, sei es einen Erwachsenen oder ein Kind, der einem helfen kann. Tokyo Shure, eine Schule für Schulverweigerer, in der man gar nicht in die Schule kommen muss, ist einfach den ganzen Tag offen, und man geht hin, wenn man will. Dort gibt es aber einen Stundenplan, in dem alles steht, worum die Schüler selbst gebeten haben – solange sich genug Schüler dafür interessieren.
In allen diesen Schulen gibt es sehr viel Zeit zum Spielen und zum Plaudern.
In diesen Schulen sieht man auch verschiedene Arten von Demokratie. Gewöhnlich gibt es eine Schulversammlung, in der alle Schüler und Lehrer gemeinsam diskutieren, und wenn es zu einer Abstimmung kommt, hat jeder eine Stimme. Diese Schulversammlungen sind unterschiedlich strukturiert. So sind zum Beispiel die Versammlungen in Sudbury Valley sehr formell. Das Protokoll ist sorgfältig verfasst, und jede Entscheidung muss in zwei aufeinderfolgenden Versammlungen getroffen werden. In einer anderen Schule in Amerika, in der Jerry Mintz gearbeitet hat, haben sie einen Brauch von den Indianern geborgt: nach einer Entscheidung konnte irgendeiner, der dagegen war, seine Meinungen erläutern und eine neue Abstimmung verlangen. In einigen Schule kommen fast alle Schüler und Lehrer in wöchentlichen Versammlungen zusammen. In Tamariki/ Neuseeland, gibt es nur selten Versammlungen für die ganze Schule, sondern häufig kleine Zusammentreffen von kleinen Gruppen, um Konflikte zu lösen. In anderen Schulen gibt es wöchentliche Versammunlungen, an denen aber nur jene teilnehmen, die sich dafür interessieren. Stets wichtig ist, ist, dass diese Versammlungen wirklich die Macht haben, echte Entscheidungen zu treffen; sie müssen nicht nur Vorschläge machen. Wie es in einer Broschüre von Sands School in England steht, übernimmt die Schulversammlung alle Verantwortungen, die normalerweise der Schulleiter hat.
Schüler in solchen Schulen sind fast alle glücklich und selbstbewusst.
|