The David Gribble Archive : Talks
Lernen freie Kinder genug?
Freiburg, 2006
Seite 8
Und jetzt zwei Bermerkungen von Studenten, die über etwas ganz anders sprechen.
Ich setze mich ein für Demokratie. Ich interessiere mich leidenschaftlich für Politik. Immer schon habe ich mich dafür interessiert. Der Grund dafür, würde ich sagen, ist, dass ich während meiner Zeit in Sudbury Valley eine Einstellung zur Gesellschaft und dazu, wie eine Gesellschaft am Besten funktioneren konnte, entwickelt habe. Sudbury Valley war eine kleine Gesellschaft - ungefähr 100 Menschen, als ich dort war. Aber es gab Gerechtigkeit und es gab Demokratie und es gab Selbstregierung und das hat mir eine Art Blaupause gegeben. Wenn ich sehe, dass diese Blaupause in der grossen Gesellschaft nicht zutrifft, dann habe ich Sorgen, grosse Sorgen. Solche Fragen sind für mich sehr wichtig.
Ich glaube, dass das einzige, was ich von Sudbury Valley gelernt habe, war, auf einmal zu verstehen, dass ich verantwortlich für meine eigene Erfahrung bin. Der Tag ist gut, wenn ich aufwache. Ich kann es verderben, wenn ich will, aber ich kann etwas Gutes damit tun, wenn ich will. Das war das Wichtigste, das ich in Sudbury Valley gelernt habe. Ich bin für mich selbst verantwortlich. Niemand anderer. Das ist bestimmt bei mir geblieben, und ich werde es meinen eigenen Kindern weitergeben.
Und endlich zwei Auszüge, die auch viele früheren Dartingtoner hätten schreiben können:
Besonders in den letzten Jahren habe ich bemerkt, dass es viel leichter ist, mit Leuten von Sudbury Valley gut zurechtzukommen. Nichtsudbury Leute haben mich überrascht, weil sie so viele Komplexe haben. ... Ich glaube auch, dass Studenten von Sudbury Valley gewöhnlicherweise weniger verklemmt, gelassener, vertrauenswürdiger als Nichtsudbury Studenten sind.
Man lernt gegenseitigen Respekt und Sorge für andere in Sudbury Valley, weil man ein Teil eines sozialen Systems ist, das einen ermutigt, an die Wirkung eigenen Tuns auf andere zu denken. Dort lernt man eindeutig, anderen Leuten zu helfen und an der Gesellschaft im allgemein zu denken, nicht nur an sich selbst. Diese Werte, glaube ich, werden in der Schule gefördert.
Die meisten Kinder, die die Gelegenheit haben, entweder in eine demokratische Schule oder in eine herkömmliche Schule zu gehen, wählen unbedingt die demokratische Schule. Viele Eltern sind unsicher.
Ihre Unsicherheit ist in den meisten Fällen ein Ergebnis von einem Missverständnis. Sie glauben vielleicht, dass was sie selbst als Erziehung erfahren haben, noch die einzige echte Erziehung sei. Oder sie glauben, dass man nur von Lehrern lernen kann, und beim Spielen nichts lernt. Oder sie glauben, dass Kinder nicht lernen wollen und daher dazu gezwungen werden müssen.
Das einzige Problem, worüber ein ängstlicher Mensch sich noch Sorgen geben könnte, ist die Frage, ob es wichtiger ist, möglichst viele Prüfungen zu machen, als glücklich seine eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Natürlich ist das etwas polarisierend. In einer herkömmlichen Schule hat man doch Zeit, einige besondere Fähigkeiten zu entwickeln, und in einer demokratischen Schule kann man auch viele akademische Fächer studieren, aber der Unterschied ist klarer, wenn man ihn so übertreibt.
Zum Schluss kehre ich noch einmal auf meine eigene Erfahrung zurück.
Als ich achtzehn Jahre alt war, hatte ich, wie gesagt, in der Schule gelernt, dass ich nur ein kluger Clown war, nicht viel wert, und hatte wenig Selbsvertrauen, wusste nicht, was ich mit meinem Leben anfangen wollte, las selten ein Buch und ahmte in Bezug auf Kleider, Interessen und Lebensweise meine Freunde nach. Ich fühlte mich abenteuerisch, wenn ich eine Fliege trug oder wagte in ein Jazzclub zu gehen.
Wäre es nicht besser gewesen, wenn ich wie Amy Chamier von Dartington eine unerschütterliche Glaube an das Recht gewonnen hätte, so zu sein, wie ich bin?
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