David Gribble : Education for Freedom Respect Children
     
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Demokratische Schule - (Wie) geht das?

Vienna, 2004
Seite 1

Happy at School : Demokratische SchuleDas ist ja eine schwere Frage, mit diesem 'Wie' in Klammern. Ohne diesen 'Wie' hätte ich einfach 'Ja' antworten können, weil ich viele erfolgreiche demokratische Schulen kenne. 'Demokratische Schule: geht das?' 'Ja.' Fertig.

Aber auf dieses 'Wie' muss ich auch versuchen zu antworten. Mein erste Aufgabe ist demokratische Erziehung zu definieren. Wenn es mir gelingt, werden Sie verstehen, warum eine kurze Antwort einfach unmöglich ist.

Jeder, der in der demokratischen Erziehung arbeitet, hat seine eigene Vorstellung davon. Ich werde Ihnen natürlich nur die meinige erklären, aber sie ist ziemlich umfassend, und viele Anderen könnten leicht einen Platz für die ihrige darin finden. Ich kenne aber einige gute demokratische Erzieher, die ganz sicher sind, dass ihre eigene Methode die einzige wahre demokratische Methode ist, und meine umfassende Definition für eine Art Ketzerei halten. Meiner Meinung nach ist so eine Einstellung tyrannisch und gar nicht demokratisch, aber ich finde es schwer, meine eigene Einstellung klarzumachen.

Ich bin aber besser qualifiziert als die meisten alteren Leute, ein allgemeines Konzept von demokratischer Erziehung zu definieren. Meine Qualifikationen sind die folgenden. Ich habe fast dreissig Jahre in Dartington Hall School gelehrt, die eine ziemlich freie demokratische Schule in England ist, und als diese Schule von ihren Treuhändern geschlossen wurde, habe ich eine neue Schule mitbegründet, die Sands School heisst, wo die Kinder noch freier sind und mehr Macht haben. Als ich sechzig Jahre alt war, habe ich mich zurückgezogen, und nachher habe ich demokratische Schulen auf der ganzen Welt besucht und Bücher darüber geschrieben. Ich bin also echt sachkundig.

Obwohl ich viele erzieherische Anstalten als demokratisch bezeichnen würde, womit Andere nicht einverstanden sein würden, brauche ich doch diesen Ausdruck, um etwas Genaues zu beschreiben. Für mich bedeutet demokratische Erziehung kein besonderes System; sie bedeutet eine besondere Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern. Um eine Idee von dieser Beziehung zu illustrieren, werde ich zwei Beispiele geben. Das erste ist ein Beispiel von einer nicht demokratischen Einstellung.

Der Schulleiter von Slough and Eton Church of England School hat Probleme mit Gewalttätigkeiten in seiner Schule. Er nimmt daher an dem Regierungsprogramm für Verhaltensverbesserung teil, und es geht schon etwas besser in der Schule. Die Zeitung The Guardian hat ihn interviewed. 'Wir sind der Meinung,' hat er gesagt, 'dass, um Benehmen zu verbessern, man Selbstachtung verbessern muss.' Da bin ich ganz einverstanden, aber er fuhr weiter. 'Seit lange haben wir Sachen wie zum Beispiel Höflichkeitswochen organisiert. Wir gehen durch die Schule und sagen bitte und danke und wir halten Türen offen für die SchülerInnen - es ist ironisch, etwas scherzhaft, aber deswegen zieht es die Kinder herein.' Er will etwas Gutes tun, aber er glaubt, dass man nur während Höflichkeitswochen bitte und danke zu sagen braucht, und selbst während Höflichkeitswochen ist solches Benehmen nur ironisch. Für ihn können Erwachsene einfach nicht ernsthaft höflich mit Kindern sein.

Und jetzt mein Beispiel vom Gegenteil. Rita Panicker arbeitet mit den Strassenkindern von Delhi, Sie hat eine Organisation begründet, die Butterflies (Schmetterlinge) heisst, wo die Kinder zu Strassenerziehern kommen, und auf den Strassen selbst lernen können. Sie treffen sich auch manchmal gruppenweise, um ihre Probleme zu diskutieren und um Lösungen zu finden.

Der Ruf der Strassenkinder ist sehr schlecht. Sie sollen eine unerträgliche Meute sein, Bettler und Taschendiebe. Ich habe eine Woche bei den Kindern von Butterflies verbracht, und ich weiss, dass dieser Ruf ganz falsch ist, aber das ist die allgemeine Meinung.

Rita Panicker hat mir erzählt, wieviel sie hatte lernen müssen, um das Vertrauen der Kinder zu gewinnen. In Indien, hat sie mir gesagt, 'fragen dich Ältere nie um Rat, sie verkündigen (reden die Älteren einfach, suchen sie nie deine Meinung). Sie sprechen in deiner Richtung (Sie reden dich an), wissen Sie, und daher muss ich mich jeden Tag fragen, "Habe ich die Kinder gefragt? Habe ich gehört, was sie sagten? Oder habe ich nur einen kleinen Teil davon gehört und nachher meine eigene Entscheidungen getroffen?"'

Und in demselben Gespräch hat sie gesagt, 'Wenn ich Worte wie Kinderparlament und so weiter hören, ärgere ich mich. Haben die Kinder wirklich gesagt, dass sie ein Parlament wollten?'

 

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