David Gribble : Education for Freedom Respect Children
     
Respect Children

 

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Demokratische Schule - (Wie) geht das?

Vienna, 2004
Seite 4

Als wir Sands School gegründet haben, hat die Schulversammlung entschieden, dass nur zwei Regeln nötig waren - keine Drogen und kein Alkohol. Sonst sollte man sich auf gesunden Menschenverstand verlassen.

Es war natürlich ein Schüler, der diesen Ausdruck erfunden hat; ein Erwachsener hätte nie so etwas gewagt. Am Ende der ersten Woche hatten wir eine dritte Regel - man darf rauchen, aber nur am Ende des Gartens. Jetzt gibt es leider auch in Sands mehrere Regeln – was man tun muss, zum Beispiel, wenn man während des Tages aus der Schule gehen will – aber sie sind meistens eher Erlaubnisse als Verbote. Es gibt, zum Beispiel, eine ganze Reihe von Regeln, wie Wasserschlachten abzulaufen haben.

Jetzt ist die Schule fünfzehn Jahre alt, und es gibt zwei oder drei Seiten von Regeln. Das bedauere ich, aber ich kenne nur sehr kleine Schulen, die wirklich ohne Regeln funktionieren können. Selbst in Familien gibt es oft Regeln – zum Beispiel bei uns zu Hause, wo wir zu zweit wohnen, soll der Koch bzw die Köchin nicht abwaschen. Oder ist das nur ein Brauch? Es ist nicht immer leicht, einen Brauch von einer Regel zu unterscheiden; beiden schränken die Freiheit des Individuellen ein. Bräuche und Regeln findet man aber gewöhnlich in selbst den freiesten Schulen

Meine dritte Frage, die mit Selbstverwaltung zu tun hat, sollte wahrscheinlich die leichteste sein, weil man das Wort 'demokratisch' gewöhnlich in genau dieser Hinsicht braucht. Aber nein, leicht ist es nicht, und die Verschiedenheiten sind auch hier gross.

Nochmal ist Sudbury Valley hier erstaunlich streng. Es gibt ein Buch, Roberts' Rules, das sehr bekannt in den Vereinigten Staaten ist; darin stehen allerlei Regeln, wie man allerlei Versammlungen regeln muss. Es ist kein kleines Buch, und selbst die Sachverständigen müssen oft darin nachschlagen, um irgendein esoterisches Problem zu lösen. Der Vorsitzende soll alles genau nach der Regel steuern; zum Beispiel müssen alle Entscheidungen zweimal in aufeinanderfolgenden wöchentlichen Versammlungen getroffen werden. Für ein Kind geht das sehr langsam, und als ich in einer sogenannten Schulversammlung sass, waren nur ungefähr acht Studenten und acht Personal dabei. Drei Jungen waren zum zweiten Mal gekommen, um Erlaubnis zu bitten, einen Fischtank in der Schule zu haben. Das erste Mal hatten sie dieses Erlaubnis nicht bekommen, weil sie keine Regeln für ihre Gruppe von Fischinteressierten ausgedacht hatten. Dieses Mal ging es auch nicht gut, weil sie ihre Regeln noch nicht hingeschrieben hatten. Demokratisch war es vielleicht, aber hilfreich war die Versammlung nicht.

In Summerhill und in Sands School sind die Versammlungen viel weniger offiziell, und gewöhnlich kommen mehr als die Hälfte von den SchülerInnen und fast alle Personal hin. Es gibt aber einen grossen Unterschied an Macht. In Summerhill kontrolliert die Versammlung alles, das das gesellschäftliche Leben der Kinder betrifft, aber über andere Sachen wie zum Beispiel Finanz und die Einstellung von Personal darf sie nicht entscheiden. Nur die Schulleiterin kann einen Schüler ausschliessen. In der Sands School war die Einstellung oder Ausschliessung von Personal und SchülerInnen die Macht, die die SchülerInnen für die wichtigste hielten. In Sands kann die Versammlung alles entscheiden, obwohl es Ausschüsse gibt, die sich um besondere Sachen kümmern, wie zum Beispiel Finanz oder Werbung.

Butterflies in Delhi ist keine Schule, aber da gibt es auch Versammlungen von Kindern und Jugendlichen. Sie besprechen ihre Probleme, die wirklich schockierend sind; die Polizei schlägt sie, die Standbesitzer wollen sie nicht bezahlen, sexueller Missbrauch kommt oft vor. Um solche Probleme an die Öffentlichkeit zu bringen und um ihre Rechte zu betonen, machen sie Strassentheater, organisieren sie Protestmarsche, geben sie eine Wandzeitung heraus und veranstalten sie Treffen mit Politiker und Journalisten. Obwohl die Zwecke der Versammlungen ganz andere sind, als in Sands und Summerhill, ist die Atmosphäre doch ähnlich.

In Tamariki in Neuseeland, die eine Schule für drei- bis dreizehnjährige ist, haben sie noch eine andere Art Versammlung. Die erste Schulleiterin hat sich geweigert, sich in die Streiterien und Meinungsverschiedenheiten der Kinder einzumischen. Sie mussten ihren eigenen Weg finden, mit solchen Schwierigkeiten fertig zu werden. Wenn sie ein Problem haben, wollen junge Kinder nicht bis die nächste Schulversammlung warten, sie wollen es sofort erledigen. Deswegen haben sie ein System von kleinen Versammlungen erfunden. Wenn ein Streit vorkommt, ruft man sofort eine kleine Versammlung zusammen - vielleicht vier oder fünf Kinder, unter denen ein oder eine Vorsitzende, und diese Gruppe entscheidet, wie man der Streitigkeit ein Ende machen kann. Diese kleinen Versammlungen sind ziemlich formell aber nichts wird aufgeschrieben. Wenn es nicht leicht geht, können sie vielleicht einen Erwachsenen dabei rufen, aber das ist nicht nötig.

Ich habe auch in der demokratischen Schule von Hadera ein Parlament gesehen. In der Schule gibt es mehr als drei hundert SchülerInnen; eine Schulversammlung wäre unmöglich. Statt dessen kommen vielleicht dreissig oder vierzig Leute von verschiedenen Altern zusammen – alle, die sich für die Tagesordnung interessieren. Eltern haben auch das Recht, dabei zu sein, aber sie kommen nur sehr selten. Weil das Parlament in Beziehung auf der ganzen Schule so klein ist, ist es für die meisten SchülerInnen von keiner sehr grossen Bedeutung.

Die Pesta in Ecuador, die Wildschule, würde sich wahrscheinlich sogar nicht als demokratisch bezeichnen. In ihrem Buch, Erziehung zum Sein, hat Rebeca Wild die Beschreibung 'aktive' Schule ausgewählt. Die Merkmale der aktiven Schule sind erstens, dass die Kinder die Möglichkeit haben, auf eigene Faust zu experimentieren, Dinge zu erforschen und zu erleben, und zweitens, dass sie ihren eigenen Interessen nachgehen dürfen und den Anweisungen der Erwachsenen nicht folgen müssen. Die sogennante 'vorbereitete Umgebung,' wo sie den Tag verbringen, wird aber von den Erwachsenen vorbereitet. Es gibt Versammlungen, aber die Kinder können nur in ganz bestimmten Bereichen Entscheidungen treffen. Als die Kinder zum Beispiel um ein Spielzimmer baten, in dem sie Kissenschlachten veranstalten und soviel Unordnung machen konnten, wie sie wollten, wurde ihnen das verweigert.

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