The David Gribble Archive : Talks
Demokratische Schule - (Wie) geht das?
Vienna, 2004
Seite 7
Wenn ich alle diese Schulen als demokratisch bezeichne, ist es möglich, dass das Wort noch irgendeinen Sinn behält? Kann ich wirklich behaupten, dass Schulen demokratisch sein können, wenn sie keine Schulstunden bieten, und wenn alle nach einem normalen Stundenplan studieren müssen? Und wenn man mehr als zwei hundert Regeln hat, oder auch keine? Und wenn die Schulversammlung allerlei verschiedene Machtebene behält? Und wenn die Kinder einander strafen, und wenn nur die Schulleiterin ein Kind ausschliessen darf, und wenn es gar keine Strafen gibt? Und ob man in die Schule gehen muss oder nicht?
Ja, sage ich, und nicht nur, weil 'demokratisch' kein absolutes Konzept ist. Es gibt etwas Absolutes in meinem Konzept, und das ist die absolute Abwesenheit von jedem Status, der vom Alter abhängt.
Ich habe eine schöne Geschichte dazu. Dabei habe ich von einer ganz kurzen Bemerkung von einer Kindergärtnerin sehr viel gelernt.
Meine eigene Kinder waren schon etwas älter, und ich hatte ganz vergessen, dass ein dreijähriges Kind genau so viel Respekt verdient, als irgendein siebzigjähriger Greis. Diese Kindergärtnerin erzählte mir, was in ihrem Tag geschehen war, und sie beschrieb einen kleinen Jungen, den sie bemerkt hatte, der allein sass und traurig aussah. "Ich bin zu ihm gegangen," sagte sie, "um zu versuchen, ein Gespräch anzuknüpfen."
Merken Sie wohl, sie ging nicht zu ihm, um ihm etwas zu tun zu geben, oder um ihn zu ermuntern, mit den anderen zu spielen, oder um herauszufinden, was mit ihm los war. Sie ging sogar nicht um ein Gespräch anzuknüpfen. Sie ging, um zu versuchen, ein Gespräch anzuknüpfen. Da sieht man einen echten und angemessenen Respekt.
So einen Respekt kann man in grossen Staatschulen und in kleinen Privatschulen finden. Kindergärten sowohl als auch Oberschulen können auf dieser Weise demokratisch sein. Da wo man einen strengen Lehrplan hat, da wo alle ihre eigene Projekte machen, da wo es viele Regeln und Strafen oder auch keine gibt, da wo ein mächtiges SchülerInnenparlament besteht, da wo die ganze Umgebung von der Betreuern vorbereitet wird, da wo die Kinder jeden Tag in die Schule kommen müssen und da wo sie frei sind, zu kommen oder wegzubleiben, in allen solchen Schulen ist es möglich für die Erwachsenen, einen richtigen Respekt für die Kinder zu haben.
Und wenn man einen solchen Respekt für Kinder in irgendeiner Schule entdeckt, wenn eine Lehrerin sich einem traurigen dreijährigen Kind annähern könnte, nur um zu versuchen, mit ihm ein Gespräch anzuknüpfen, da hat man echte demokratische Erziehung gefunden.
Also, jetzt die ursprüngliche Frage: Demokratische Schule - (Wie) geht das?
Erste Hälfte: 'Geht das?' 'Ja, zweifellos.'
Zweite Hälfte: 'Wie geht das?' Antwort: 'Auf hunderte von verschiedenen Weisen.' Keine sehr hilfreiche Antwort, aber wenn Sie mir glauben, dass sie nicht nur wünschenswert sondern auch möglich ist, werden Sie hoffentlich ermutigt sein, Ihre eigenen Arten demokratischer Erziehung zu erfinden. Fragen Sie sich nur jeden Abend, wie Rita Panicker von Butterflies, 'Habe ich die Kindern gefragt? Habe ich gehört, was sie sagten? Oder habe ich nur einen kleinen Teil davon gehört und nachher meine eigene Entscheidungen getroffen."
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