David Gribble : Education for Freedom Respect Children
     
Respect Children

 

The David Gribble Archive : Talks

Demokratie in der Schule: Beispiele und Perspektiven

Salzburg, 2004
Seite 1

Demokratie in der Schule : Respect Children

Auf englisch und vielleicht auch auf deutsch hat das Wort "Demokratie" zwei Bedeutungen. Es bedeutet entweder eine Art Regierung, wo man ein Parlament hat und Wahlen hält, oder eine Gesellschaft, wo alle gleiche Rechte haben. In demokratischen Schulen handelt es sich öfter um die zweite Bedeutung, obwohl in größeren Schulen kann man oft auch Parlamente und besonders häufig Ausschüsse finden. (Wenn ich größere Schulen sage, heißt das nur Schulen, die mehr als dreißig oder so SchülerInnen haben. Viele demokratische Schulen sind wirklich sehr klein. Wenn nur fünfzehn Kinder da sind, braucht man sicher keine Ausschüsse.)

In einer modernen westlichen Demokratie sollen alle außer den Kindern gleiche Rechte haben. In einer demokratischen Schule haben auch die Kinder gleiche Rechte. Yakov Hecht von der demokratischen Schule in Hadera in Israel hat die Idee satirisch verteidigt.

Lasst uns einen Moment "Was wäre wenn ..." spielen ...

Was wäre, wenn die Realität von Erziehung anders wäre ...

Und alle Schulen demokratisch wären!

Und alle Länder von Diktatoren geführt würden!

... Dann würden sie sagen – Demokratie funktioniert gut in kleinen Gruppen von, sagen wir, einhundert Menschen, aber sie kann in Ländern mit Millionen von Bürgern nicht gut funktionieren.

... Dann würden sie sagen – Demokratie ist für Schulen geeignet, die mit Angelegenheiten zu tun haben, die Schüler angegehen. Es wäre jedoch unverantwortlich, ignorante und ungebildete Menschen über das Schicksal eines Landes und Angelegenheiten auf Leben und Tod entscheiden zu lassen.

... Dann würden sie sagen – Demokratie funktioniert in der Theorie, aber es ist völlig undenkbar, dass ein Universitätsprofessor auf der gleichen Stufe wie jemand stehen sollte, der nicht lesen und schreiben kann!

... Dann würden sie sagen – Glauben Sie wirklich, dass Millionen von Bürgern die Gesetze verstehen und sich an sie erinnern werden? Dass jeder die Prinzipien verstehen wird, die der Demorkratie zugrunde liegen? Nur Intellektuelle sind in der Lage, das zu tun!

... Dann würden sie sagen – wenn jeder seinen eigenen Beruf wählt, dann wird niemand mehr ein Interesse daran haben, die schmutzige, schwere Arbeit zu tun. Das Land wird auseinanderbrechen!

... Dann würden sie sagen – wenn jeder sich aussucht, wo er leben will, wo er bauen will, wie er fahren will, und alle Zeitungen das drucken, was sie als gut erachten, dann werden wir die totale Anarchie haben!

... Dann würden sie sagen – Demokratie is für eine Schule geeignet, in der alles "klein" ist, aber in der rauhen Wirklichkeit der realen Welt wird es nicht funktionieren.

In August 2002 hat man in der Konferenz von IDEC in Neuseeland versucht, 'demokratische Erziehung' zu definieren. Am Ende hat eine Gruppe eine sehr lange und unbrauchbare Definition erfunden, die einer politischen Aussage ähnelte und die auf Menschenrechte und Kinderrechte und die Vereinigten Nationen hinwies. Später ist eine viel bessere Definition bei einer Emailkorrespondenz vorgekommen. Sie lautet ungefähr so. 'Eine demokratische Schule ist eine Schule, wo die Schüler freie Bürger der Schule sind, die ihre eigene Erziehung in die Hand nehmen, und die an Entscheidungen teilnehmen dürfen, die die ganze Schule betreffen.'

Es fehlt noch das Wort 'alle' vor Entscheidungen, aber es gibt viele sogenannte demokratische Schulen, wo die Schüler nur an einige der Entscheidungen, die die ganze Schule betreffen, teilnehmen dürfen. Und meiner Meinung nach gibt es viele Schulen, die nur halbwegs demokratisch sind, wenn demokratisch so definiert wird, aber doch sehr schön sind. Die Demokratie selbst ist nicht das Wichtigste, aber ich gebrauche das Wort, um etwas ein bissel anders zu bezeichnen.

Ich werde Ihnen erzählen, wie diese frei definierte Demokratie in vielen verschiedenen Formen und in vielen verschiedenen Ländern funktioniert, und danach werde ich einige Perspektiven vom Standpunkt der Schüler vorstellen. Die sind natürlich das Wesentliche.

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