David Gribble : Education for Freedom Respect Children
     
Respect Children

 

The David Gribble Archive : Talks

Demokratie in der Schule: Beispiele und Perspektiven

Respect Children : Demokratie in der Schule Salzburg, 2004
Seite 5

Zuerst Matt Williams aus Sands School, der ungefähr vierzehn Jahre alt war, als er folgendes gesagt hat:


Der wichtigste Grund dafür, warum ich Sands mag, ist die Atmosphäre. Das allgemein voherrschende Gefühl an der Schule ist Verständnis. Weil die Schule so klein ist, kennt jeder jeden wirklich gut. Das bedeutet nicht, dass jeder jeden auch jeden Tag mag, denn natürlich sind alle Leute mit denjenigen zusammen, die sie am meisten mögen. Sands ist einfach nur ein Ort, wo das passieren kann. Wenn man zum Beispiel jemanden hat, der mit jemand anderem aus einer vollkommen anderen Altersgruppe befreundet ist, dann können sie immer noch zusammensein, auch wenn sie überhaupt keine Schulstunden zusammen haben. Ich weiss, dass das in gewöhnlichen Schulen nicht verboten ist, aber es passiert nicht so häufig, weil Tabus die verschiedenen Altersgruppen auseinanderhalten. Das andere, was ich an Sands liebe, ist die Redefreiheit, die jeder hat, und die Gleichheit, die dadurch gefördert wird. Jeder kann mit jedem über jedes beliebige Thema sprechen. Natürlich gibt es bestimmte Dinge, die man bestimmten Leuten nicht sagen will. Das bedeutet auch, dass die Kluft zwischen Lehrern und Schülern ganz offensichtlich viel kleiner ist als in jeder anderen Schule. Es gibt immer noch einen Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern. Das liegt daran, dass ein Erwachsener weitaus mehr Erfahrung in den meisten Dingen hat als praktisch jedes Kind. Auf der anderen Seite ist es auch so, dass die meisten neuen Ideen von Kindern stammen, weil es wesentlich mehr Kinder als Erwachsenen in der Schule gibt und Kinder oft sehr viel erfinderischer sind als Erwachsene.

Jetzt, Shiraz Grinboam, aus der Demokratischen Schule von Hadera in Israel. Sie war siebzehn, achtzehn Jahre alt, als ich dieses Gespräch auf Tonband aufgenommen habe:

Shiraz: In den ersten Jahren habe ich nur herumgehangen. Ich habe viel Zeit mit meinen Freunden verbracht. Wir hatten eine sehr starke Gruppe von Leuten aus allen möglichen Altersgruppen unbd Landesteilen, die hierher kamen. Die Schule war kleiner, und wir hatten viel Zeit, um einfach nur herumzustreifen. Ich habe in diesen zwei Jahren nur Literatur studiert, und danach kam das Bagrut und dann fing ich an zu begreifen, wie sehr ich mich hätte vorbereiten sollen, weil es viel Zeugs gab, bei dem ich mich nicht auskannte, wie zum Beispiel mich auf Prüfungen vorbereiten und Aufsätze schreiben. Ich war sehr verblüfft, so was wie "Wow, was ist das?" und ich überwand das, und dieses Jahr lerne ich fast ganz allein für alle Prüfungen, und ich glaube, dass ich sehr viel Verantwortung und Disciplin gelernt habe, um meine eigenene Ziele zu erreichen, und das ist etwas sehr Gutes, weil ich bei vielen anderen Leute sehe, dass sie sehr viel weniger Verantwortungsgefühl haben, weil man ihnen in der Schule viel zu sehr gesagt hat, was sie tun sollen.

David: Also, was lernst du gerade?

Shiraz: Jetze lerne ich gerade für fünf Prüfungen: Englisch, Kunstgeschichte, Geschichte des jüdischen Volkes und Aufsatz. Und die Bibel.

David: Und du lernst auch Cellospielen.

Shiraz: Ja. Und ich tanze.

David: Tanzt du hier in der Schule?

Shiraz: Wir haben hier eine hervorragende Lehrerin. Aber Cellospeielen lerne ich ausserhalb der Schule ... Diese zwei Jahre waren eine gute Sache. Es war wie Erwachsen-Werden. Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken.

John Davies war in Dartington Hall School zwischen 1938 und 1942, und ich habe ihm einen Brief geschrieben, als ich begann, Beiträge von früheren Schülern zu versammeln.

Ja, ich hebe Ihren Brief bekommen – aber ich haben ihn beiseite gelegt, denn je mehr ich darüber nachgedacht haben, um so lächerlicher, absurder und (wahrscheinlich) unglaublicher erschienen mir meine Gedanken über Dartington.

Deshalb, obwohl mir rückblickend meine wenigen kurzen Jahren in Foxhole [die Oberschule in Dartington] als die wervollsten meines Lebens im Gedächtnis geblieben sind, würde ich es schwierig finden zu erklären, wie sie mich zu einem glücklichen, wenn auch überaus selbstkritischen Menschen gemacht haben, der eine Reihe von Werten hat, von deren Qualität ich notwendigerweise überzeugt bin, die aber dennoch für die Welt um mich herum unangemessen sind.

Unangemessen insofern, als ich lieber gebe als nehme. Ich glaube, ich könnte Dartington für meinen Mangel an finanziellem Ehrgeiz verantwortlich machen, ebenso, wie ich Dartington dafür danken muss, dass es mich mit dem ausgestattet hat, worauf ich zwei erfolgreiche Karrieren aufbauen konnte – im Bereich der Musik und der Wiederentdeckung und Wiederherstellung von Tönen.

Ich könnte das "das" nicht definieren – obwohl ein weiteres Nebenprodukt eine mir lieb und teuere gewordene Fähigkeit ist, das "Gute" zu geniessen, ohne es mit dem "Schlechten" ausgleichen zu müssen – und es scheint mir, als ob das ein wahrnehmbarer Teil des Geists von Dartington war.

Dankbar zu sein lässt sich kaum mit 'sich freuen' vergleichen; und es ist vielleicht der Zustand der Freude und seine nicht-ananlytisch Natur, die mich daran hindern, einen nützlichen Beitrag zu dem Buch über Dartington zu schrieben ... aber vielleicht kann es von der Einbeziehung dieses "Anti"-Beitrags profitieren.

Ich weiss, selbst wenn ich mich hinsetzen und immer wieder versuchen würde zu schreiben, könnte ich es nicht richtig machen!

Und schließlich ein Aufsatz von Jessica Cawston, einem vierzehnjährigen Mädchen aus Tamariki, das vor einem Jahr in eine Oberschule hatte umziehen müssen.

Wenn ich nur die Sprache richtig sprechen könnte. Wenn ich mich nur an das komplizierte Ratespiel anpassen könnte, das sich "Erziehung" nennt. Die Rollen von SchülerInnenn, LehrerInnenn und Eltern sind klar definiert, aber trotzdem kann ich mich irgendwie nicht dazu bringen wertzuschätzen, wie ich mich verhalten soll. Es wird erwartet, daß man vom ersten Schultag an die einzigartige Sprache und die Sitten des staatlichen Schulsystems erlernt. Man muß seinen Platz kennen und wissen, was man sagen darf und wann man es sagen darf. Man muß lernen, nicht viele Fragen zu stellen und nicht dem Standpunkt der LehrerIn zu widersprechen, sondern dazusitzen und es über sich ergehen lassen. Antworten darf man nur geben, wenn man gefragt wird; Fragen darf man nur stellen, wenn man dazu aufgefordert wird ­ diese Sprache sprechen.
Das Problem ist natürlich, was passiert, wenn einem die Sprache nicht beigebracht wurde; was passiert, wenn man auf eine Schule gegangen ist, in der ganz anders gesprochen wurde. Ein freier, ausdrucksvoller Dialog ohne Regeln, ohne Konventionen, nur Ehrlichkeit und manchmal Unverblümtheit, wo man sagte: "Tu das bitte nicht, das ärgert mich," oder "ich bin da vollkommen anderer Meinung," anstatt einfach nur wegzugehen und still zu bleiben. Es ist schwer, eine neue Sprache zu lernen, wenn man dreizehn Jahre alt ist; es ist schwer, die alte aufzugeben, und ständig die neue Sprache zu benutzen. Und für jemanden, der einen starken Willen hat, einst geachtet, jetzt mißachtet, ist es noch schwerer, eine Sprache zu lernen, die so kalt und gleichgültig ist.

Für mich hat Jessica demokratische Erziehung am Besten definiert:-

'Ein freier, ausdrucksvoller Dialog ohne Regeln, ohne Konventionen, nur Ehrlichkeit und manchmal Unverblümtheit.' Ich würde nur ein Wort hinzufügen: Respekt.

Demokratische Erziehung heißt ein freier, ausdrucksvoller Dialog ohne Regeln, ohne Konventionen, nur Ehrlichkeit, Respekt und manchmal Unverblümtheit.

 

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