The David Gribble Archive : Talks
David Gribbles Lehrjahre
Leipzig , 2006
Seite 2
Zweites Kapitel: Bevor ich von demokratischer Erziehung sprechen gehört hatte.
Wenn ich mit Kindern arbeiten wollte, dachte ich, dann musste ich Lehrer werden. Es scheint mir jetzt fast unglaublich, dass ich so schnell zurück in die unechten, engen Welt der Schule zurückgehen wollte, aber ich liess mich sofort in Cambridge einschreiben, und in den sechs Monaten zwischen meine Entscheidung und dem Anfang des Semesters an der Universität, arbeitete ich in einer kleinen Privatschule in der Nähe von London und freute mich, endlich etwas nützliches zu tun.
Auf der Universität war ich kein zweitklassiger Mensch, wie ich es in der Schule war. Ich komponierte Lieder für die "Footlights", eine Gruppe, die im Sommer jedes Jahr eine Revue vorstellte, zuerst in Cambridge und nachher in London. Ich wurde Redakteur von Granta, der Studentenzeitschrift, eine Stelle, die einen gewissen Status mit sich brachte. In meinen Prüfungen war ich nur zweitklassig, aber wir sagten alle, dass ein erstklassiger Student nur studieren und nie ein erfolgreiches Leben führen können würde.
Die Schule, wo ich nach der Universität arbeitete, heisst Repton School. In der Nähe von Derby, in der Mitte von England, stand sie auch in der Mitte der Traditionen der herkömmlichen teueren Privatschulen des Landes. Da waren, noch einmal, lauter Buben, von dreizehn bis achtzehn Jahre alt. Im Vergleich damit war Eton himmlisch frei.
Eine meiner Verantwortlichkeiten war as "Master in charge of the jazz band"- "Lehrer, der den Jazzband kontrolliert." Die Jungen spielten meistens besser als ich und ich lernte viel von ihnen. Wir spielten zu jeder Zeit, wo die Jungen nichts anders für sie vorgeschrieben hatten, ausser Sonntag am Nachmittag, und das erreichte viereinhalb Stunden in der Woche.
Einen Schüler hatte ich schon in den Ferien kennengelernt. Sein Bruder war in Cambridge zur selben Zeit wie ich gewesen, und seine Schwester habe ich sehr gemocht - er war also ein guter Freund. Auch in Repton war er ein Freund, obwohl wir nur selten miteinander sprachen. Diese Freundschaft zeigte mir deutlich, wie unmöglich es war, mit den anderen Jungen eine wirklich freundliche Beziehung aufzubauen; es gab so zu sagen eine Mauer zwischen Lehrern und Schülern. Wir konnten zusammen Jazz spielen, ich konnte von ihnen lernen, aber wir wohnten auf verschiedenen Planeten, wir waren verschiedene Arten. Ich machte mir Sorgen darüber.
Ich hatte auch andere Probleme. Es gab eine Hierarchie nicht nur zwischen Lehrern und Schülern, sonder auch in der Lehrergruppe. Wir jüngere Lehrer standen ebensoweit unter den älteren, als die jüngeren Schüler unter den älteren standen. Als Lehrer waren wir noch nicht Gleichgestellte, und das hatte ich nicht erwartet.
Ein Siebzehnjähriger wurde geschlagen, weil er im Labor gearbeitet hatte, statt einen Fussballwettkampf anzuschauen: Treue zur Schule war eine Trainierung für Patriotismus, was, wie ein älterer Lehrer mir erklärt hat, die Grundlage für alle Sittlichkeit sei.
Nach drei Jahren beschloss ich, dass ich die Schule verlassen musste. Es gab eine Regel, dass die Schüler keine Bonbons in der Klasse essen dürften. Ich fand sie für eine dumme Regel, weil es oft leichter zu denken ist, wenn man etwas zu essen oder zu trinken bei sich hat, und ich versuchte nie solche Frevel zu bemerken. Eines Tages aber hat ein Junge ein Bonbon über das ganze Zimmer zu einem Freund geworfen, und ich konnte es nicht übersehen. Ich musste ihn strafen, und das hiess ihn eine gewisse Zahl Linien ausschreiben lassen. Die Linien mussten auf blaues Papier geschrieben werden, das man nur von seinem Hausmeister bekommen konnte. Der Junge ging zu seinem Hausmeister, der ihn fragte, wofür er gestraft wurde, und als er es hörte, hat er ihn geschlagen. Das konnte ich nicht tolerieren, und ich kündigte.
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