The David Gribble Archive : Talks
David Gribbles Lehrjahre
Leipzig , 2006
Seite 5
Kapitel 5: Sands School
Die Grundschule in Dartington, wo es keine Probleme gab, wurde zuerst geschlossen, und meine Frau, einige Lehrerinnen und eine Gruppe Eltern haben sofort eine neue Schule für drei- bis elf-jährigen gegründet. Ein Jahr später musste die Oberschule ihre Türen schliessen, und vierzehn Schüler, die in keine normale Schule gehen wollten, mussten etwas anderes finden. Diese Kinder, zwei andere LehrerIinnen und ich haben Sands School gegründet. Sie ist die einzige Schule in England, die, vor sie ihre Türen öffnete, von den SchülerInnen geplant worden ist. Sie öffnete sich in September 1987 im Haus der Familie einer Schülerin.
Wir wollten sicher sein, dass Sands School nie behandelt werden konnte, wie Dartington Hall School behandelt worden war, und wir beschlossen, dass alle Entscheidungen in der Schulversammlung von SchülerInnen und Personal getroffen werden sollten. Das war die erste Entscheidung. Die zweite war, dass die Schule möglichst wenig Regeln haben sollte: man sollte sich auf gesundem Menschenverstand verlassen. Die zwei Regeln, womit wir angefangen haben, waren keine Drogen und kein Alkohol. Nach einigen Tagen wurde eine dritte Regel erfunden - man darf rauchen, aber nur draussen im Garten. Und die dritte Entscheidung war - und die LehrerInnen waren darüber enttäuscht - dass wir einen ganz normalen Stundenplan haben sollten, und alle in jede Stunde kommen musste.
Jetzt, neunzehn Jahre später, gibt es leider eine Menge Regeln, aber obwohl es noch einen ziemlich normalen Stundenplan gibt, sind alle Fächer und alle Stunden freiwillig.
Ich war nur vier Jahre in Sands, bevor ich in Ruhestand trat, aber in diesen vier Jahren habe ich viel gelernt. Am Anfang war ich Schulleiter, und ich glaubte, dass, trotz unserer Idealen, es einige Entscheidungen gab, die nur ein Erwachsener treffen sollte.
Eines Tages haben drei Schülerinnen das ganze Geld aus dem Schulbüro gestohlen und sind mit dem Bus in die nächste Stadt gefahren, um mit dem Zug nach York zu fahren. Am Schalter hat der Beamte ihnen erklärt, dass das Geld nicht dazu reichte, und sie haben daher um Fahrkarten nach Brighton gebeten. Der Beamte ist argwöhnisch geworden und hat die Polizei angerufen, und später musste ich die drei mit meinem Auto von der Wache abholen. Auf dem Rückweg habe ich in einem kleinen Parkplatz angehalten, und ich habe versucht, die Gelegenheit mit den Kindern zu besprechen. Es war mir ganz unmöglich. Sie fluchten und schimpften und sagten, dass sie die Schule hassten, ihre MitschülerInnen hassten und ihre Eltern hassten, und ich konnte nicht weiterkommen. Ich fuhr also zurück in die Schule, und die Leiterin der Gruppe hat gekündigt, dass sie eine Schulversammlung zusammen rufen wollte, weil ich sonst allerlei saumässige Lügen über sie und ihr Tun erzählen wurde. Alle kamen hin und die Leiterin erzählte gleichgültig genau, was sie getan hatten, und fragte danach, "Wollt ihr uns hinausschmeissen?" Am Anfang waren die anderen Kinder zornig, nicht wegen ihres Tuns, sondern weil sie sich als so gleichgültig und schamlos vorzeigten. Dann sagte ein Lehrer, dass es nicht vernünftig war, einfach ärgerlich zu sein, und man lieber Fragen stellen und zuhören sollte. Während der nächsten Stunde haben die Erwachsenen fast kein Wort gesagt. Die Kinder haben die Misstäterinnen gefragt, warum sie das alles gemacht hatten, haben zugehört und kommentiert, und endlich gefragt, "Wollt ihr hier in der Schule bleiben?" Alle drei haben "Ja" geantwortet. Es wurde einige Bedingungen imponiert, und die Sache war fertig.
Was ich dabei gelernt habe, war erstens, dass ein einzelner Mensch, sogar ein erfahrener Lehrer wie ich, keine so gute Antworten finden kann, als eine ganze Gruppe Leute, die sich für die Sache wirklich interessieren, und zweitens, dass es in einer Schule keine Entscheidungen gibt, wo Kinder ausgeschlossen werden sollen.
Danach habe ich der Schulversammlung vorgeschlagen, dass die Schule keinen Leiter brauchte, sondern nur ein Verwaltungsbeamte, der sich vergewissern musste, dass alle nötigen Entscheidungen in der Schulversammlung getroffen wurden, und dass man sie nachher in die Praxis versetzt. Man nahm meinen Vorschlag an.
Am Anfang meiner Zeit in Sands hatte ich in einer Broschüre geschrieben,
Kinder, denen man vertraut, werden vertrauenswürdig werden.
Kinder, die respektiert sind, werden angemessene Selbstachtung erlernen.
Kinder, um die man sich kümmert, werden lernen, sich um andere zu kümmern.
Jetzt weiss ich, dass ich die Wahrheit vermisst hatte. Was ich hätte sagen sollen, war
Kinder sind vertrauenswürding, sofern man ihnen nicht misstraut hat.
Kinder haben eine angemessene Selbstachtung, solange andere sie respektiert haben.
Kinder kümmern sich um andere, sofern man sich selbst um sie gekümmert hat.
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