David Gribble : Education for Freedom Respect Children
     
Respect Children

 

The David Gribble Archive : Talks

Verschiedene Freiheiten

Vienna, 2001
Seite 2

What children learn : Verschiedene freiheitenAlso, erste Freiheit, kein Unterricht.

Zweite Freiheit, keine Strafen, zum Beispiel in der Barbara Taylor School. Sie haben mir ihre Gründe dafür erklärt:-

Die meisten Schulen versuchen, für die Erfolge ihrer SchülerInnen Anerkennung zu bekommen, aber die SchülerInnen selbst für ihre Mißerfolge verantwortlich zu machen; wenn die Kinder versagen, bestrafen sie sie mit zusätzlicher Arbeit. Sie berauben sie bestimmter Privilegien oder schließen sie aus der Schule aus. Das ist unangemessen, weil wir, erstens, alle für einander verantwortlich sind; der Mißerfolog ist also derjenige der Schule und nicht derjenige des Kindes; zweitens bedeutet der Ausschluß von Kindern, daß man sie der einzigen Umgebung beraubt, die für sie therapeutischen Wert hat, und drittens vermeiden Menschen, die bestrafen, die notwendige Besprechung, und fruchtbare Besprechungen sind es, die Veränderungen herbeiführen können.

Später habe ich eine reichere Liste von Gründen, keine Strafen zu gebrauchen, in den Worten von David Wills, ein Engländer, die mittens im letzten Jahrhundert mit gestörten Kindern gearbeitet hat.

1. Bestrafung stellt einen gemeinen Beweggrund für gutes Verhalten fest.

2. Man hat sie schon verwendet, aber vergebens; beziehungsweise man hat sie so mißbraucht, daß sie jetzt keinen Zweck mehr hat.

3. Sie hindert den Aufbau der Art Beziehung zwischen Personal und Kindern, die wir für notwendig halten – eine Beziehung, worin das Kind fühlt, daß es geliebt wird.

4. Viele straffällige Kinder (und Erwachsene) suchen eine Strafe, um ihr schlechtes Gewissen zu heilen.

Aber das ist nicht alles: es gibt noch einen Grund. Wenn der Regelverstößer für seine Untat bezahlt hat, kann er eine weitere ohne schlechtes Gewissen kaufen.

Und in einem anderen Zusammenhang hat David Wills noch einen weiteren Grund gegeben. "Ein Kind zu strafen," sagt er, "trägt die Verantwortlichkeit für das schlechte Verhalten auf den Erwachsenen über, statt sie mit dem Kind bleiben zu lassen." (Das erste Mal, das ich das gelesen habe, habe ich nicht sofort verstanden, aber es scheint mir jetzt einer der wichtigsten Gründe zu sein, keine Strafen zuzufügen.)

Kein Stundenplan, keine Strafen. Und jetzt keine Trennung nach Altersgruppen. In einer Schule in den Vereinigten Staaten, die mir nur erlaubte, sie zu beschreiben, wenn ich ihren Namen nicht nannte, ging es nicht darum, einfach zum Beispiel elfjährigen mit vierzehnjährigen zusammen zu lehren. Es hieß, alle waren SchülerInnen und alle waren LehrerInnen. Der älteste Schüler war älter als sechzig, und die jüngste Lehrerin konnte noch nicht gehen.

Und jetzt die besondere Freiheit in der Fundación Educativa Pestalozzi, der Pesta von Rebeca und Mauricio Wild in Ecuador. Hier sollen die Erwachsenen sich gar nicht i n die Angelegenheiten der Kinder einmischen. Mauricio has es mir bei einem Gespräch zusammengefaßt: Lehren, Erklären, Leiten, Motivieren, Überreden, Antizipieren und Hinweisen sind keine angemessenen Interaktionen zwischen Erwachsenem und Kind.

Und danach keine Auslese. In Sumavan in Andra Pradesh in Indien darf jedes Kind in die Schule kommen, sobald es allein zu Fuß dahin kommen kann. Das ist vielleicht eine Art Auslese. Butterflies, auch in Indien, in Delhi, ist eine Organisation für arbeitende beziehungsweise Straßenkinder. Sie hat keine Klassenzimmer. Die Straßenerzieher, wie sie heißen, haben große Koffer, worin sich Schulbücher, Kreide und Ziegeln, Spielzeuge, Posters, Karten und so weiter befinden. Sie öffnen diese Koffer zu bestimmten Zeiten in bestimmten Orten, und alle kommen hin, die wollen. Die Eltern sind oft dagegen, weil die Kinder nichts verdienen, während sie bei den Straßenerziehern bleiben.

Tokyo Shure - Shure ist keine japanische Übersetzung von Schule, sondern ein Wort, das so etwas wie "friedlicher Ort" heißt - Tokyo Shure ist für Schulversager. In Japan gibt es sehr viel Schulversager, weil das übliche System so grausam und so vereinheitlichend ist. Und da Tokyo Shure eine Schule für Schulversager ist, muß man nicht, wenn man dort eingeschrieben ist, dort hingehen. Daraus folgende Freiheit - keine Schulpflicht.

 

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