David Gribble : Education for Freedom Respect Children
     
Respect Children

 

 

 

The David Gribble Archive : Talks

Verschiedene Freiheiten

Vienna, 2001
Seite 4

What children learn : Verschiedene freiheitenSo viele Freiheiten. Aber in diesen Schulen gibt es auch verschiedene Nichtfreiheiten.

Zum Beispiel gibt es in der Pesta eine vorbereitete Umgebung. Sie ist reich und interessant, aber die Kinder dürfen nicht diese Umgebung stören. Spielwaffen, Radios und Computer sind verboten. Und zu Hause sollen sie am liebsten nicht fernsehen, und wenn sie Unterricht wie zum Beispie l Klavierstunden am Abend unternehmen, ohne um die Erlaubnis der Schule zu bitten, müßen sie die Schule verlassen.

In Summerhill und Sudbury Valley gibt es eine ganze Reihe von Gesetzen, die zwar von der Schulversammlung angestellt worden sind, aber eine entsprechende Reihe von Strafen mit sich bringen. In Sudbury Valley muß d as Justizkommitee mit Regelverstößen fertig werden. Hier folgen einige Eintrage aus ihrem Protokoll:-

93.587 5/16/94 Alex O. hat sein Fahrrad draußen stehen gelassen.

Alex O. ist ankeglagt, gegen 400.04 verstoßen zu haben. [Fahrräder und andere Fahrzeuge mit Rädern - wie Go-Karts und Skateboards - müßen am Ende eines jeden Tages in Fahrradständern oder Lagerräumen, die von dem für die Instandhaltung der Gebäude Verantwortlichen ausgewiesen wurden, unterbracht werden . . . ] Schuldig. Verwarnt.

93.589 5/16/94 Francesca hat Lane schikaniert.

Francesca angeklagt, gegen 200.01 verstoßen zu haben. [Niemand darf wissentlich das Recht eines anderen verletzen, sich friedlich an Aktivitäten in der Schule zu beteiligen, die weder verbale noch körperlich Schikanierung beinhalten, solange die Aktivitäten den Beschlüssen der Schulkonferenze entsprechen . . . ]

Schuldig. Für den nächsten Anwesenheitstag aus dem Nähzimmer ausgeschlossen. (Das Nähzimmer ist das größte der vielen Gemeinsschaftsräume.)

93.590 5/13/94 Julian hat auf dem Tisch des Nähzimmers gesessen.

Julian angeklagt, gegen 300.03 verstoßen zu haben. [Mißbrauch von Schuleigentum ohne Erlaubnis des Eigentümers ist verboten.] Schuldig. Verwarnt.

Und so weiter. Meiner Meinung nach müßen diese Gesetze von Erwachsenen formuliert worden sein, aber sie waren sicher mit der Zustimmung der Schulversammlung angestellt.

In Dartington hatten die SchülerInnen viel Freiheit, aber die Versammlung hatte nur eingeschränkte Entscheidungsfähigkeiten. Der Schulleiter und die Treuhänder hielten die Macht für sich, und in 1987 haben sie die Schule gegen den Wünschen von SchülerInnenn, LehrerInnenn und Eltern geschloßen, selbst wenn eine Gruppe von Eltern eine große finanzielle Unterstützung angeboten hatten.

Mirambika, eine schöne Schule in einem Ashram in Delhi, wurde von den Anhängern von Sri Aurobino und die Mutter gegründet. Obwohl eine der Aussagen von Sri Aurobindo läutet "Man kann nichts lehren," sieht man da auch ein Poster mit den Worten "Bleibe immer offen zur Mutter und vollkommen einig mit ihr. Mach dich für sie biegsam, und laß sie dich schnell zur Vollkommenheit formen."

Als Leute aus der Berliner Gruppe von Kinderrechtszänker, Krätzä, Summerhill letztes Jahr besucht hat, wurden sie von den vielen Regeln ziemlich befremdet.

Es drängte sich die Frage auf, ob es tatsächlich so viele Regeln geben muß oder ob oft nicht eher nach "gesundem Menschenverstand" und den individuellen Bedürfnissen der jeweils Beteiligten entschieden werden kann . . . oder ob Selbstverständlichkeiten wirklich per Gesetz geregelt werden müssen. Schulgesetze wie Nr. 109 "Man darf nicht über die Tische im Essenraum laufen," Nr. 160 "Man darf keine Steine auf Leute werfen" oder Nr. 124 "Man darf nicht Keksen im Essenraum rumwerfen" könnten den Effekt haben, daß alle anderen Fälle auch geregelt werden müssen, weil sonst SchülerInnen über die Tische im Büro laufen, Leute mit Stöcken bewerfen oder die Kekse eben durch den Flur schmeißen.

Und es gibt oft Regeln für LehrerInnen und Eltern. In Hadera dürfen keine Aktivitäten angeboten werden, die nicht für Kinder jedes Alters offen sind. In Moo Baan Dek müßen die Erwachsenen denselben Regeln gehorchen wie die Kinder, und das heißt, daß sie keinen Alkohol hineinbringen, keine privaten Fernsehapparate haben und nicht rauchen dürfen.

In einer Elternversammlung in Sands School haben einige gesagt, daß sie ihre besondere Fertigkeiten den interessierten SchülerInnenn beibringen wollten. Die SchülerInnen in Sands sind im Alter von elf bis sechzehn Jahren oder so. Ich habe geantwortet, daß ich nicht glaubte, daß die Kinder dieses Angebot annehmen wollen würden, aber die Eltern haben darauf bestanden, und bei der nächsten Schulversammlung habe ich darüber berichtet. "Es gibt Eltern, die hereinkommen wollen, um Kochen, Photografieren, Töpfern und so weiter zu unterrichten. Was denkt ihr davon?" Und sofort habe ich die Antwort gekriegt ­– "Ja, ja, wunderbar, cool, urgeil, SUPER ­– aber meine Eltern nicht."

Jetzt komme ich zu der oft ausgedrückten Vorstellung, dass diese Art Erziehung nur mit der Mittelschicht erfolgreich sein könne. In diesem Buch, wo achtzehn Schulen beschrieben werden, habe ich drei staatliche Schulen miteingeschlossen, sowie zwei Schulen für die Kinder von ungebildeten Bauern in Indien, wo es natürlich keine Schulgebühren gab, und eine Schule die ausdrücklich für Kinder mit großen Problemen gegründet wurde. Die Mehrheit waren doch Schulen, wofür die Eltern zahlen mussten.

In den letzten zwei Jahren habe ich ein neues Buch geschrieben, worin es nur um Schulen geht, die jede auf ihre eigene Weise gar nicht für die Mittelschicht ist. Der Barns Hostel wurden in den vierziger Jahren für evakuierte Kinder gegründet, die so gestört waren, dass keine Familie die aufnehmen wollte. Die Puerto-Ricanische Hochschule in Chicago ist für Jugendliche aus einem Stadtteil, wo fast jed es Mitglied einer drogenverkaufenden Bande gewesen ist; diese verschiedenen Banden kämpfen miteinander, und es sind meistens die Jüngeren, im Alter von dreizehn oder vierzehn Jahren, die umgebracht werden. Moo Baan Dek, in Thailand, ist ein Kinderdorf, wo sie Kinder aufnehmen, die entweder verlassen, mißbraucht oder zur Waise gemacht worden sind. Ihre Philosophie beruht auf die Prinzipien von Summerhill von einem buddhischen Standpunkt aus gesehen. Und Butterflies, in Delhi, hat keine Räume, nur Strassenerzieher, wie sie heißen, die Strassenkinder auf der Strassen Erziehung bieten. Da habe ich den Beweis dafür erfahren, daß obwohl eine demokratische, freie oder was auch immer Erziehung für Kinder aus der Mittleschicht wohl passend sei, sie für die Armen unentbehrlich ist.

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