The David Gribble Archive : Talks
Verschiedene Freiheiten
Vienna, 2001
Seite 7 
Aber alles ist nicht immer friedlich und ruhig, selbst in den Schulen, wo die Kinder meistens bei ihren eigenen Familien wohnen. Hier ein sechzehnjähriges Mädchen aus Sands School:-
Die meiste Zeit über ist die Atmosphäre an der Schule gut, aber manchmal ist sie schrecklich und stressig. Ich glaube, das ist in Ordnung, weil wir uns bei Schulversammlungen und zu anderen Zeiten anschauen können, was den Streß verursacht und was wir an der Situation ändern können, um sie weniger stressig zu machen. Es hilft uns zu lernen, wie man mit Situationen umgeht, die stressig sind. Einige SchülerInnen glauben, daß die Schule ideal sei, aber ich glaube das nicht. Ich glaube auch nicht, daß sie das sein sollte oder sein kann.
Und zum Schluß zitiere ich einen Schulaufsatz von einem fünfzehnjährigen neuseeländischen Mädchen, das mit dreizehn von Tamariki, einer freien Schule, auf eine normale Gesamtschule umziehen mußte. Diese Aufsätze wurden nach einer Notenskala von eins bis fünf für Ideen und für Stil bewertet.
Wenn ich nur die Sprache richtig sprechen könnte. Wenn ich mich nur an das komplizierte Ratespiel anpassen könnte, das sich "Erziehung" nennt. Die Rollen von SchülerInnen n, LehrerInnen n und Eltern sind klar definiert, aber trotzdem kann ich mich irgendwie nicht dazu bringen wertzuschätzen, wie ich mich verhalten soll. Es wird erwartet, daß man vom ersten Schultag an die einzigartige Sprache und die Sitten des staatlichen Schulsystems erlernt. Man muß seinen Platz kennen und wissen, was man sagen darf und wann man es sagen darf. Man muß lernen, nicht viele Fragen zu stellen und nicht dem Standpunkt der LehrerIn zu widersprechen, sondern dazusitzen und es über sich ergehen lassen. Antworten darf man nur geben, wenn man gefragt wird; Fragen darf man nur stellen, wenn man dazu aufgefordert wird – diese Sprache sprechen.
Das Problem ist natürlich, was passiert, wenn einem die Sprache nicht beigebracht wurde; was passiert, wenn man auf eine Schule gegangen ist, in der ganz anders gesprochen wurde. Ein freier, ausdrucksvoller Dialog ohne Regeln, ohne Konventionen, nur Ehrlichkeit und manchmal Unverblümtheit, wo man sagte: "Tu das bitte nicht, das ärgert mich," oder "ich bin da vollkommen anderer Meinung," anstatt einfach nur wegzugehen und still zu bleiben. Es ist schwer, eine neue Sprache zu lernen, wenn man dreizehn Jahre alt ist; es ist schwer, die alte aufzugeben, und ständig die neue Sprache zu benutzen. Und für jemanden, der einen starken Willen hat, einst geachtet, jetzt mißachtet, ist es noch schwerer, eine Sprache zu lernen, die so kalt und gleichgültig ist.
Und darunter hat die Lehrerin geschrieben "Ideen, 3, Stil, 3."
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